Dezember 2007

Monthly Archive

good by jesus!

Posted by on 17 Dez 2007 | Tagged as: Allgemein

jajaja, ich geb ja zu dass ich das bloggen die letzten Tage etwas vernachlässigt hab. Aber so läuft das hier eben, erst gibts ne Weile gar nix spannendes zu erwähnen, dann überschlagen sich die Ereignisse und es bleibt kaum Zeit für die interessierten blog-BeobachterInnen.

Nun, nach der Foss hab ich mich fleissig und engagiert in die Vorbereitung für meinen Workshopbeitrag geworfen, nebenbei die letzten chaotischen Konferenzgutetaten vollbracht, dank Sky und Kavita war ich davon ja etwas freigestellt vorher. Dank euch (auch wenn ihr dass hier gar nicht verstehen könnt, wegen deutsch und so).

Der Workshop lief gut an, am ersten Tag waren trotz übereifendem Titel „Technology, Governance and Citicenship“ hauptsächlich Technologen anwesend. Entsprechend war mein Beitrag „who can you trust?“ gut platziert. Gemeinsam recht unterhaltsam erfahren, dass Vertrauen unter Menschen durch Oxytycin erzeugt wird, und Vertrauen in Computer durch einen Anruf unter ++1 503 619-0562 realisiert werden kann. Wer schauen will, es gibt zumindest die Bildchen als pdf (200K) oder odp (609K).

Die Diskussion schweifte dabei tatsächlich in die sozialen Sphären der Computer-Nutzung ab, was erholsam war. Die meisten anderen Beiträge waren eher Beispiele erfolgreicher oder weniger erfolgreicher technischer Lösungen, welche die anwesenden TechnologInnen hauptsächlich zu technischen Detailverbesserungen anregen konnten. Eins war klar, nach dem ersten Tag, Technologen haben ne black-box, die sie fleissig aufrecht erhalten.

Am nächsten Tag sollte alles besser werden. Sollte. Immerhin kamen ne ganze Reihe SozialwissenschaftlerInnen vorbei, nur die TechnologInnen vom Vortag hatten leider keinen weiteren Tag Zeit. Was den anwesenden Gelegenheit gab, teils wirklich interessante soziologische Detaildiskussionen zu führen. Begriffe wurden hin- und wieder hergedreht, am Ende wusste ich, dass SozialwissenschaftlerInnen eine genauso stabile black-box nutzen, lediglich die Pappwände der box sind woanders.

Der letzte Tag brachte dann interessante Beiträge über Staudammprojekte in Indien, über Science-Technology-Studies und sogar über die Rolle der Kunst. Auf den Ausfall eines Redners haben wir reagiert, indem wir ein Theaterstück vorbereitet haben. Typisch indisch hatte der Regisseur die größten Probleme mit dem Stück, nach ner Verschiebeorgie über den ganzen Tag fiel das Theatergespiele dann aus. Aus.

Aus fiel auch die Abschlussdiskussion, da ein Gast, der sich vorher noch nicht für eine Minute blicken lassen hatte, ne Selbstdarstellungsorgie ablassen musste. Naja, man lernt ja immer, diesmal gabs zu lernen das der Entschluss, die akademische Welt zu verlassen wirklich richtig war. Beim nächsten mal, so der Konsens unter uns OrganisiererInnen, müssen wir die Leute zum arbeiten überreden. Irgendwas muss passieren, ansonsten streiten die TechnologInnen weiter über Technologien, die SozialwissenschaftlerInnen über Definitionen, während die Welt in aller Ruhe untergeht.

Nun, wenn man schon den ganzen Tag mit Worten spielt, kann man das am Abend ja auch in ner angenehmeren Atmosphäre fortsetzen. Also ab in ein Spielcafe und dort den Abend verbracht. Dummerweise zu lange geblieben, der Schlüssel vom Haus war bei den Nachbarn, und die darf man hier in Indien nach 10 nicht mehr wecken. Erst recht nicht, wenn man denkt dass unter allen Nachbarn gerade diejenigen den Schlüssel nicht haben (wie sich nen Tag später raustellt), die schon schlafen.

Nun, die sozialen Netzwerke hier sind weit gespannt, aber Nachts ist der Weg durch die Stadt ja kurz. Samstag noch schnell zum Friedensfest, Kultur muss ja auch mal sein. Und dabei finally noch Kontakt bekommen zu Rham Bhat von voicesindia.org, den ich in Rostock zum G8 getroffen hatte. So ist doch alles schön rund. Spontan gabs auch nen Live-Auftritt zu ehren von Janastu, und gemeinsam getanzt wurde auch. Ich muss wohl einigen Eindruck hinterlassen haben, spontan kam irgendwann ein Bangalorian auf mich zu, um sich von mir zu verabschieden. „Good bye Jesus!“, achja, Zeit ne Sekte zu gründen…

Sonntag gabs dann entsprechend auch das erste Community-Meeting der Bangalore Wireless Mesh Group. Jaja, wir suchen noch nen Namen, mal schauen was bei rauskommt. Zu fünft haben wir nen Plan erstellt, wie wir hier weiter machen, sieht gut aus. Also auch das noch geschafft, nach allen Mühen und Ankündigungen gibts nun ne Wireless Mesh Group in Bangalore.

Also alles geschafft, Zeit zu gehen, für ne Weile.

Und, ich denk an deutsche Wintermärchen. Morgen gehts zurück, falls mich das indische Chaos freilässt. Zur Feier dieses Anlasses hat meine Bankkarte sich heute entschieden, sich von den magnetischen Zwängen der Bankautomaten zu befreien, sie ist nicht mehr Teil des Systems. Nunja, ich gönns ihr, aber irgendwie is das schon traurig, ich hab sie wirklich gut behandelt…

Denne, Mittwoch bin ich wieder in Berlin, Abends das letzte mal dies Jahr Tischtennis in der Kastanie, was will man mehr. Hoffe viele von euch die Tage in Berlin, Rostock oder wo auch immer zu sehen. Bis gleich!

missing the edit button

Posted by on 10 Dez 2007 | Tagged as: Allgemein

Das war also der erste Konferenzevent im Dezember, der zweite folgt sogleich, aber dazwischen muss Zeit bleiben für etwas geblogge. FOSS.IN, die größte Konferenz über freie Software weltweit, asienweit, ist auf jeden Fall stark am Übertreiben mit derartigen Beschreibungen.

Zusammen kamen etwa tausend Besucher, was nicht schlecht ist, aber das angekündigte Problem langer Schlangen am Einlass war möglicherweise ein leftover vom letzten Jahr, in diesem gabs keine Schlangen. In diesem Jahr gabs keine Schlangen, keine Ahnung ob die Beteiligung einfach schlechter war als vorher. Was es aber reichlich gab waren Werbestände von Sponsoren, platinierte, goldene, silberne und weitere Sponsoren waren überall zwischen den Konferenzräumen verteilt. Immerhin hatte ich so die Chance, mal wieder zu sehen wie non-evil google ist.

In den Konferenzräumen dann aber spannende Vorträge, teilweise leider recht leer. Glücklicherweise war mein Vortrag gut gefüllt, hat Spass gemacht und einige neue Interessenten für die Idee, in Bangalore ein Wireless Mesh aufzubauen gabs auch. Dazu noch Anfragen aus Delhi und Bangladesh, nun, hat schon einige Anziehungskraft die FOSS. Während des Vortrags und danach gabs natürlich auch das erste Wireless Mesh in Bangalore, freifunk.foss.in, damit die Besucher etwas rumspielen können. Nach der liste der registrierten IP-Adressen zu urteilen, hat das aber niemand gemacht, nich spontan genug? Ausserdem ne Menge neue Leute auf die BangaloreWirelessMesh Mailingliste hingewiesen, nun, hoffentlich wird das nächste Treffen was.

Alles in allem interessante Konferenztage erlebt, das Hackcenter war wohl der einzige Community-Space, aber klar, wenn man sich durch den üblichen Konferenzdschungel gearbeitet hätte wäre auch Platz für spontane Ideen gewesen, BoF(BirdOfFeather?)-Zelte gabs, aber wo bitte war der edit-Button? Im Mediawiki, welches die Seiten von FOSS.IN präsentierte. Um Seiten zu ergänzen, spontan irgendwas zu organisieren? Irgendwie scheinen die hier Angst vor Communities zu haben, nun, vieleicht muss ich meine Erfahrungen ja erst noch machen. FOSS.IN, nette Leute, aber etwas kalte Atmosphäre, zu wenig Community, zu viel Corporation.

Ok, soviel kritischer Rückblick, bleibt der nicht weniger kritische Vorausblick, und der sagt mir dass ich übermorgen nen Vortrag zum Thema „Who can you trust?“ halten darf. Auf ner Konferenz mit dem Titel Technology, Governance and Citizenship. Dort wird sicher mehr Spontanität und mehr Chaos geben, also gute Einstimmung für den Weihnachtsbesuch in D-Land. Und ich ahne schon dass es bei euch verdammt kalt zu geht, brrrrrr.

just peanuts

Posted by on 05 Dez 2007 | Tagged as: Allgemein

Da ist es wieder. Das Indien, über welches ich schon einige Tage nicht mehr gebloggt habe. Dafür gabs Gründe, Anfangs nachvollziehbare – ich war erkältet, doll erkältet, wirklich – und danach weniger nachvollziehbare. Um ehrlich zu sein, ich hab keine verdammte Ahnung wie die Tage so schnell vorbeifliegen konnten.

Nun, die Jobmöglichkeiten sind mittlerweile zwei an der Zahl, beide in einem stabilen Schwebezustand. Heißt, das es das wohl ist, nix mit Vertrag vorher oder so, werd im Januar zumindest bei der einen Firma mal auftauchen und scheint so zu sein. Gut.

Weil aber erst im Januar fleißig sein doch etwas weit hin ist, hab ich mich entschlossen hier im Netzwerk bei Dinesh’s Firma mal aufzuräumen. Und den lokalen Admin mit auf die wir-machen-alles-neu-Tour zu nehmen, damit er endlich mal nen Durchblick hat was er administriert. Was für ein Entschluss. Wie erwartet tauchen tausend Problemchen auf, an kaputten Switches, Netzwerkkarten und Netzwerkkabeln herrscht hier kein Mangel, naja, aufräumen eben…

Das kostet Zeit, is aber eben auch prima endlich wieder was zu tun. Parallel gibt’s hier mal wieder mal etwas mehr Unterhaltung. Ne Australierin – Sky – macht hier Praktikum (was immer das heißt), ihr Freund Kale ist zu Besuch und ein Inder – Jinan – versucht Unterstützung in Bangalore für sein Bildungsprojekt zu finden. Dinesh wirbelt auch rum also abwechslungsreich und betriebsam hier, ich lass mal eben das Frühstück ausfallen um zu bloggen.

Ahja, letzte Events. Gestern. Wir gehen Abends aus etwas leckeres zu essen und landen direkt im Erdnuss-Festival. Also Kadlekai Parishe, so heißt das wohl. Die erste Erdnussernte wird gefeiert, überall Erdnüsse zu kaufen. Und tausende Menschen unterwegs. Und, ehrlich, die Erdnussstände sind in der Unterzahl. Es gibt wie sich das für ein Festival gehört, Kitsch allerart. Luftballon mit und ohne Herzchen, Flöten, blinkende fliegende Etwasse und, am wichtigsten Roboter die nicht nur blinken sondern auch noch die Zukunft vorhersagen.

Die Zukunft. Und ich weiß nun alles über sie. Über meine. Der Roboter hat mich gescannt, hat er gesagt, angeblich. Mehr war nich rauszukriegen, denn die Zukunft ist auf Kannada an mich herangetragen worden. Nunja, immerhin weiß ich nun wie die Zukunft klingt. Verwirrend.

Apropos Zukunft, die nahe Zukunft besteht aus der FOSS Konferenz. Die startet gestern, oder morgen, wie man will. Darum geh ich heut nachmittag mal hin, mal schauen wie die Stimmung dort ist, morgen gibts meinen Vortrag, drückt die Daumen dass die Leutchen nich einschlafen.

Und dann ist nächstes Wochenende schon die nächste Konferenz zu Technology, Governance and Citizenship, organisiert von Dinesh und Sky und Kavita und all den anderen die hier ab und zu rumwirbeln. Da werd ich auch noch mal was zum besten geben, der Titel steht schon „Who you can trust?“, fehlt nur noch der Inhalt.

Ja und dann, dann gehts schon wieder ab nach Deutschland für ne Weihnachtspause. Am 18ten geht mein Flug hier, am 19ten komm ich in Berlin an und werde glücklich zum ersten mal in diesem Jahr Rudolph begegnen, ist das nich herlich?